Stories aus der Bierregion Innviertel

Sechs Haubenköche – ein Menü für den guten Zweck

Mehr geht immer: Sechs Haubenköche aus dem Innviertel stellten sich wieder in den Dienst der guten Sache und servierten im Fill Future Dome in Gurten 160 Gästen ein Benefiz-Menü. Die Spendensumme – 10.000 Euro – kommt den Frauenhäusern in Ried und Braunau zugute.

Es ist bereits gute Tradition und eine Fixveranstaltung im „Innviertler Biermärz“: das Haubenkoch-Event der Innviertler Spitzenköche. Ihr unentgeltlicher Einsatz und eine Reihe von großzügigen Sponsoren machen es möglich, wohltätigen Vereinen und Institutionen im Innviertel finanziell unter die Arme zu greifen. Heuer fiel die Wahl auf die Innviertler Frauenhäuser in Ried und Braunau; letzteres wird gerade gebaut und steht kurz vor der Fertigstellung.

Zweites Frauenhaus für das Innviertel


„Der Bedarf ist da“, sagt Michaela Schrotter, Geschäftsführerin des Frauenhauses Innviertel. Das Rieder Frauenhaus hat derzeit Platz für sechs Frauen und zwölf Kinder, die Ausschreibung für einen Neubau ist auch hier bereits erfolgt.

In den Frauenhäusern – in Oberösterreich gibt es derzeit fünf – werden hilfesuchende Frauen aufgefangen. Erstausstattungspakete, kinderpädagogische Maßnahmen und andere Hilfsangebote sollen den Schritt in ein neues Leben ebnen. Inge Angerer, Obfrau der Vereins Frauenhaus Braunau, freut sich, dass es nun auch in Braunau endlich ein Frauenhaus geben wird. Seit über 30 Jahren wird in der Innviertler Bezirksstadt dafür gekämpft.

Unterstützung auch für Sozialmärkte


Nach der Endabrechnung des wohltätigen Abends könnten weitere 2000 bis 3000 Euro zur Verfügung stehen. „Diese werden wir wie schon im Vorjahr den Innviertler Sozialmärkten zur Verfügung stellen. Auch sie können es dringend brauchen“, kündigte Andrea Eckerstorfer von der Bierregion Innviertel an.


Alle Fotos der Veranstaltung in der Online Galerie.


Fotos: Lothar Prokop

Bildtext Gruppenfoto (v. l.):
Gemeinsam für den guten Zweck: Daniel Hutsteiner, Kirchenwirt Diersbach; Christoph Forthuber, Restaurant Forthuber, Munderfing; Andrea Eckerstorfer, Bierregion Innviertel; Peter Reithmayr, Aqarium, Geinberg; Bettina Fill, Fill GmbH, Gurten; Florian Schlöglmann ,Wirt z’Kraxenberg, Kirchheim im Innkreis; Inge Angerer, Frauenhaus Braunau; Sybille Schlöglmann, Wirt z’Kraxenberg, Kirchheim im Innkreis; Michaela Schrotter, Frauenhaus Ried; Lukas Kienbauer, Lukas Restaurant, Schärding, und Wolfgang Wohlschlager, Kammer 5, Ort im Innkreis.

DAS BIER UND SEINE GESCHICHTE

Frauenpower am Sudkessel

Wir alle kennen es, das Bild des gestandenen biertrinkenden Mannsbilds. Dabei waren es anfangs die Frauen, die das Brauen in ihren Küchen vorantrieben. Auch Manfred Schaurecker, Innschifffahrtskapitän und Brauer, kann beim Bierbrauen auf weibliche Unterstützung zählen. Und er weiß so einiges darüber, wie das so kam mit dem Bier. Während der Inn träge seiner Wege zieht, herrscht an Bord des Brauschiffs von Kapitän Schaurecker rege Betriebsamkeit. In der kupferglänzenden Kleinbrauanlage seines „Kanonenbräu“ dampft ein neuer Sud.

2016 ist der Schärdinger unter die Brauer gegangen und hat sich damit einen lange gehegten Traum erfüllt. Die Location, ein umgebautes Salzfürstenschiff, mutet nur aufs Erste ein wenig seltsam an. Bei genauerer Betrachtung entpuppt es sich als geradezu prädestiniert, um die österreichisch-bayerische Braugeschichte fortzuführen.

Denn mit seiner schwimmenden Brauerei hat Manfred Schaurecker quasi immer einen Fuß in Bayern und einen im Innviertel, das erst 1779 zu Österreich kam. Der Inn ist heute Grenzfluss. Ja, die Bayern und das Bier. Fast könnte man glauben, sie hätten es erfunden. Dabei liegt das doch schon weit länger zurück.

Bier gab’s schon in der Jungsteinzeit, der deutsche Evolutionsbiologe Josef Reichholf ist gar überzeugt, dass die Menschen nur deshalb sesshaft wurden, um Braugetreide anbauen zu können. Auch die Pyramiden in Ägypten sind auf Bier gebaut: Die Arbeiter erhielten zur Stärkung mehrere Krüge täglich.

Doch zurück ins Hier und Jetzt: Immer an der Seite des Kapitäns ist Helga Stiegler, seine Braupartnerin. „Es ist ein schönes Miteinander“, sagt der Kapitän. Gemeinsam schroten die beiden Malz, maischen ein und begleiten ihr Bier bis zur Reife. Damit steht Helga in guter Tradition, waren es doch die Frauen, die einst beim Brauen den Ton angaben. Sie führten Haushalt und Küche und hatten so eine der wichtigsten Zutaten, die Hefe, an der Hand. Vom Brotbacken zum Bierbrauen war es nur mehr ein kleiner Schritt, ein Braukessel gehörte folgerichtig oft zur Mitgift.

Dieses Nahverhältnis zeigt sich auch in einem bekannten Märchen der Gebrüder Grimm: „Heute back‘ ich, morgen brau‘ ich, übermorgen hol‘ ich der Königin ihr Kind“, trällerte dort das hyperaktive Rumpelstilzchen. Was vermuten lässt, dass es a) ein emanzipiertes Kerlchen oder b) ohne Angetraute war.

Denn, wie gesagt: Das Brauen gehörte den Frauen, die selbst auch fleißig Bier tranken. Sogar Schwangere und Kinder nippten lieber am Bierkrug als am Wasserglas, was bei den damals herrschenden hygienischen Bedingungen vermutlich auch gesünder war.

Das Bier dagegen war abgekocht, wenn auch manchmal von etwas zweifelhafter Zusammensetzung. Früher durfte praktisch alles in den Sudkessel: Pech, Ochsengalle, Tollkirsche, Stechapfel, Bilsenkraut und anderes mehr. Erst das Reinheitsgebot setzte dem wilden Treiben ein Ende. Von da an war nur mehr Hopfen erlaubt.

Dessen antiseptische Wirkung hatte die kräuterkundige Äbtissin Hildegard von Bingen bereits im 12. Jahrhundert erkannt. Dass die Bitterkeit des Hopfens dem Bier auch geschmacklich guttat, war wohl eher eine Zufallsentdeckung.

Verweilen wir noch ein wenig in der Historie: Auch Martin Luthers Frau Katharina von Bora, eine ehemalige Nonne, war eine begabte Brauerin. Luther selbst richtete seiner belesenen und wirtschaftlich versierten Gattin eine Brauerei ein, später kam ein kleiner Hopfengarten dazu. Mit dem Bier versorgte Katharina nicht nur den bekennenden Bierfreund Luther, sondern auch dessen Gäste und Studenten; ein Teil der Sude wurde weiterverkauft.

Nach und nach wurde das Brauen aber immer mehr zur Männerdomäne; hierzulande gibt es aktuell nur wenige Brauerinnen. Am ehesten sind sie noch in den kleinen Garagenbrauereien anzutreffen, die seit einigen Jahren wie die Pilze aus dem Boden schießen.

Schaut man über den Inn nach Bayern, wird man eher fündig: Schwester Doris Engelhard vom Kloster Mallersdorf nahe Landshut ist eine kleine Brau-Berühmtheit. Das Weißbräu in Graming bei Altötting wird von drei Schwestern geführt, das Meinel-Bräu in Hof von zwei Schwestern.

Doch das Interesse am Bier ist da: Unter jenen, die bisher die Biersommelier-Ausbildung in der Brauerei Ried absolvierten, waren mehr als ein Drittel Frauen.

Wer weiß: Vielleicht bekommt Helga ja bald Verstärkung.

Kapitän Manfred Schaurecker ist stolzer Besitzer von Europas einzigem Brauschiff. Sein „Kanonenbräu“ braut er an Bord gemeinsam mit Helga Stiegler (rechts), aber auch gern in größerer Gesellschaft: Besonders in der warmen Jahreszeit sind seine Ausflugsfahrten auf dem Inn gefragt.